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Nicht nur Neuwagen sind für den Import interessant – auch Old- und Youngtimer sind beliebte Importware. Je älter ein Fahrzeug desto schwieriger ist die Beschaffung. Die richtigen Schätze sind meist irgendwo in Europa verstreut.

Doch bei älteren Fahrzeugen gibt es neben den Standardkriterien beim Fahrzeugkauf noch ein paar weitere Dinge zu beachten. Altersbedingt treten hier ganz neue Fehler und Probleme auf, die der zukünftige Fahrzeugbesitzer kennen sollte.

Wir haben dazu einen Experten hinzugezogen. Ingo Riedel von der Firma Passioncar in Norddeutschland ist seit über 20 Jahren Fahrzeughändler und kennt jeden Punkt, auf den man achten muss. Das Steckenpferd der Firma Passioncar sind Mercedes Old- und Youngtimer. Speziell die Fahrzeuge der R129- sowie R230-Reihe sind bei Ingo auf dem Hof oft zu sehen. Wir waren vor Ort und haben zusammen die 10 größten Fehler beim Kauf von Old- und Youngtimern herausgearbeitet.

Ingo Riedel, Passioncar

Fehler 1 – Die falsche Erwartungshaltung

„Die Kernfrage ist: Was will ich mit dem Auto?“ – Ingo Riedel, Passioncar

Der größte Fehler beim Kauf von Old- und Youngtimern ist die falsche Erwartungshaltung des Käufers. Kaufe ich mir ein Fahrzeug für den Alltag oder ein Fahrzeug, das nur bei Schönwetter gefahren wird? Ersteres braucht natürlich viel mehr Aufmerksamkeit und Pflege.

Selbst wenn ein Fahrzeug bei Übergabe optisch und technisch in Ordnung ist, kauft man ein altes Auto. Old- und Youngtimer sind keine Neuwagen und es geht schon mal was kaputt. Die Idee, die viele Käufer haben, dass man mit einem älteren Fahrzeug „billig“ Auto fahren kann, ist nicht richtig. In erster Linie sind Young- und Oldtimerfahrer Autoliebhaber und Sammler.

Fehler 2 – Exoten kaufen

Die Fahrzeugauswahl spielt beim Kauf von älteren Fahrzeugen eine sehr wichtige Rolle. Riedel empfiehlt, sich ein Fahrzeug mit Großserientechnik zu kaufen. Also altbewährte Technik, die leicht zu reparieren ist und bei der die Ersatzteilversorgung entsprechend durch ehemals große Verkaufszahlen (Schrott) oder vom Händler (Neuteile) gedeckt ist.

„Wir handeln überwiegend mit Fahrzeugen von Mercedes, denn dort ist die Ersatzteilbeschaffung einfach.“ – Ingo Riedel, Passioncar

Bestenfalls ist das Fahrzeug in großer Stückzahl gebaut worden oder wird noch gebaut. Das gewährleistet eine gute Ersatzteilversorgung auch noch in den nächsten Jahren.

Laut Riedel sind Fahrzeuge folgender Hersteller zu empfehlen:

  • Mercedes (beste Ersatzteilversorgung)
  • Volkswagen
  • Opel
  • BMW

In Italien wiederum sind Fiat oder Lancia zu empfehlen.

Der Preis für dieses Ersatzteil wurde deutlich erhöht.

Die Ersatzteilbeschaffung ist ein wichtiger Punkt beim Kauf eines Oldtimers, die man vorab prüfen sollte.

Fehler 3 – Unterhaltskosten unterschätzen

Ein Auto kostet nicht nur einmal oder zweimal, sondern immer wieder. Monat für Monat flattern die Rechnungen ins Haus und genauso ist das bei Old- und Youngtimern auch.

Damit man mit seinem Fahrzeug auch noch lange Spaß hat, muss man darauf achten, dass die Unterhaltskosten möglichst gering gehalten werden. Dazu gehört zum einen eine gute (und idealerweise günstige!) Ersatzteilversorgung wie in Fehler 2 schon beschrieben, die Kosten für KFZ-Steuer und Versicherung, aber auch die Zukunftsfähigkeit des Fahrzeugs.

Vor dem Kauf sollte man sich über eine entsprechende Old- oder Youngtimer-Versicherung informieren und die Kosten genau planen.

In Österreich sind bereits 2012 diverse Fahrverbote und Einschränkungen eingeführt worden, die dann seit dem 01.01.2015 zusätzlich auch noch mit einer Plakettenpflicht belegt worden sind.

Die meisten Umweltzonen erreicht man in Österreich nur mit der Euro Klasse 2. Viele Benziner-Youngtimer sind auf Euro 2 umrüstbar. Es gilt also, sich vorab zu informieren und möglichst genau zu wissen, welches Modell man haben möchte. Ein alter Diesel wird wahrscheinlich nicht das beste Alltagsauto abgeben.

Fehler 4 – Von Privat kaufen

Vom Kauf mit Handschlag ist abzuraten. Ein altes Fahrzeug bringt eine lange Geschichte mit sich, und in großen Zeiträumen kann viel passieren. Beim Privatkauf ist der Verkäufer mit Unterschrift des Vertrags fein raus. Eine Haftung wird nicht übernommen.

Das Wichtigste beim Kauf, egal ob vom Händler oder privat, ist Vertrauen. Autokauf ist Vertrauenssache, und da sollte man wirklich auf sein Bauchgefühl hören.

„Vom Privatkauf ist abzuraten. Wer dennoch zuschlägt, sollte darauf achten, dass der Verkäufer das Fahrzeug seit min. 5 Jahren besitzt und alle Wartungsbelege vorhanden sind. Interessant ist auch eine Erklärung, warum das Fahrzeug verkauft wird.“ – Ingo Riedel, Passioncar

Nicht vergessen: Garantie und Gewährleistung sind zwei Paar Schuhe. Aus der Sicht eines Juristen definiert eine Garantie die freiwillig vereinbarte Verpflichtung eines Garanten (des Versicherers), während die Gewährleistung direkt aus dem Gesetz abzuleiten ist. Grundsätzlich ist zu empfehlen, dass man bei einem Händler kauft, der z.B. im Bundesverband freier KFZ-Händler (BVfK e.V.) oder einem anderen Verbund Mitglied ist. Beim Privatkauf hat man natürlich keine Garantie, jedoch aber eine Gewährleistung. Die Gewährleistung, die man beim Händler bekommt, würde Mängel abdecken, die zum Zeitpunkt des Kaufs bereits vorhanden waren. Inwiefern man das durchsetzen kann, ist eine andere Geschichte.

Fehler 5 – Verkäufer falsch einschätzen

Wenn man mehrere Tausend Euro für ein Fahrzeug ausgibt, dann sollte dies nicht das erste Fahrzeug sein, das man kauft. Falls man sich nicht so gut auskennt, sollte man sich auf jeden Fall einen Bekannten, der sich auskennt, dazu holen. Viele Käufer schätzen den Verkäufer falsch ein oder vertrauen blind. Es ist unglaublich wichtig, dass man trotz charismatischem Auftreten die Aussagen des Verkäufers prüft und bei Abschluss des Kaufs auch alle wichtigen Unterlagen erhält.

Dazu gehört:

  • beglaubigter Kaufvertrag (mit saldierter Rechnung)
  • Verkaufs-Vollmacht, falls Verkäufer und Fahrzeughalter nicht identisch sind
  • Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein), ggf. Fahrzeugscheine der Vorbesitzer
  • Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief)
  • Bescheinigung der letzten Hauptuntersuchung (HU)
  • Bescheinigung der letzten Abgasuntersuchung (AU)
  • Serviceheft (falls vorhanden)
  • Werkstattrechnungen (falls vorhanden)
  • Bilder und Gutachten bei Unfallschäden (falls vorhanden)
  • Schlüssel und Schlüssel-Codekarten (falls vorhanden) für das Fahrzeug
  • Bedienungsanleitung / Handbuch des Fahrzeugs
  • allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für Zubehör und Anbauteile (falls vorhanden)

Speziell für den Import sind diese Papiere wichtig:

  • ausländischer Typenschein
  • EWG-Übereinstimmungsbescheinigung (COC-Papier)

Fehler 6 – Bekannte Fahrzeugmängel nicht kennen

Jedes Fahrzeug hat alters- und bauartbedingte Mängel, die man vor Besichtigung des Fahrzeugs recherchieren und überprüfen kann.

Rost ist ein ganz großer Punkt auf der Mängelliste, und jedes Fahrzeug hat dafür so seine typischen Stellen. Auch versteckte Stellen sind wichtig. In der Vergangenheit durchgeführte Services wie eine Hohlraumversiegelung oder ein Unterbodenschutz wirken der Rostentwicklung entgegen. Wer in Sachen Rost, Karosserie und Lack auf Nummer sicher gehen will, kann ganz einfach mit einem Magnet nach kaschierten Stellen suchen oder sich ein Lackdichte-Prüfgerät besorgen. Diese sind bei Amazon schon für geringes Geld zu bekommen (Schichtdickenmessgerät, Magnetkarte).

Diese kleine Stelle wird sich bei Nichtbeachtung in den nächsten Jahren als Problem erweisen.

Neben dem Rost kommen Wartungsarbeiten an Motor, Getriebe und Bremsanlage auf einen zu, die nach bestimmter Kilometerleistung erledigt werden müssen. Auch hier sollte man prüfen, ob diese Wartungsarbeiten eingehalten und durchgeführt worden sind.

Reparaturen von alten Dichtungen (z.B. Kork) zwischen Motor und Getriebe können sehr teuer werden. Simmering, Ventildeckeldichtung, das Kraftstoff-Fördersystem und andere Bauteile, die mit Flüssigkeiten in Berührung kommen, sind kritisch zu betrachten. Insbesondere bei alten Autos löst sich die Ummantelung der Kabelleitungen gerne – und das kann in Zukunft möglicherweise zu einem Defekt führen. Die Auswahl eines Fahrzeugs mit Großserientechnik bietet daher einen guten Kompromiss zwischen bewährter Technik, Ersatzteilversorgung und Fahrspaß.

Reifen und Felgen sollten in Ordnung sein.

 

Dichtungen und Schläuche sind häufige Problem-Macher.

 

Die Falzstellen sind anfällig für Rost.

 

Hochwertige Innenaustattung. Besonders die Holzarmaturen sind schwer zu ersetzen.

 

Hier ist ein Abstand (erhöhtes Spaltmaß) zwischen Motorhaube und Karosserie zu sehen. Das ist nicht in Ordnung.

 

Solche Kunststoffbauteile sind teuer. Man sollte auf Risse und Steinschläge achten.

Fehler 7 – Gutachten vergessen

Riedel empfiehlt, sich immer ein Gutachten einzuholen. Bestenfalls von einer selbst ausgesuchten Prüfstelle. Eine Überprüfung durch einen unabhängigen Prüfer bzw. Sachverständigen ist Gold wert.

„Selbst eine aktuelle TÜV-Abnahme schützt nicht vor Rostschäden und anderen Mängeln. Der TÜV prüft nur die sicherheitsrelevanten Punkte. Ein Gutachten ist unbedingt empfehlenswert. Ein Classic Data Gutachten ist nicht ausreichend. Im besten Fall holt man sich ein Gutachten von einem Sachverständigen oder eines von einem Old- bzw. Youngtimer-Spezialisten.“ – Ingo Riedel, Passioncar

Ein Gutachten kostet zwischen 159 und 500 € und ist daher gut angelegtes Geld, wenn man sich eine Reise ins Ausland, um ein möglicherweise defektes Fahrzeug anzuschauen, sparen möchte.

Fehler 8 – Probefahrt versäumen

Auch eine Probefahrt gehört zum Pflichtprogramm. Im besten Fall kennt man das Fahrverhalten des Fahrzeugs bereits. Vielleicht haben Freunde und Bekannte ein ähnliches oder das gleiche Modell, oder man kann bei einem Händler in der Nähe schon mal eine Probefahrt vereinbaren. Damit lernt man das Fahrzeug im funktionierenden Zustand kennen, und kann so das Fahrverhalten des Fahrzeugs vor Ort viel besser beurteilen.

Man sollte auf jeden Fall auf eine Probefahrt bestehen, diese selbst durchführen oder einen Fachmann damit beauftragen.

Fehler 9 – Reparaturen bei Vertragswerkstatt durchführen lassen

Die Automobiltechnik hat sich in den letzten Jahren stark verändert und viele junge KFZ-Werkstätten kennen sich gar nicht mehr mit alter Technik aus. Eine Reparatur bei der entsprechenden Vertragswerkstatt des Herstellers ist daher nicht immer zu empfehlen. Die meisten Werkstätten reparieren in den meisten Fällen nur aktuelle Fahrzeuge, und sind daher auch nur dementsprechend ausgestattet.

Old- und Youngtimer benötigen spezielles Werkzeug und spezielle Kenntnis. Idealerweise findet man eine Werkstatt, die sich auf eine bestimmte Fahrzeuggruppe oder einen Fahrzeugtyp spezialisiert hat, und lässt sein Fahrzeug dort warten und reparieren. Diese Modell-Profis kennen die typischen Fehlerquellen, wissen genau, welche Betriebsmittel das Fahrzeug benötigt, und wie man es richtig pflegt.

Fehler 10 – Import-Kosten nicht berechnen

Der Import von Fahrzeugen aus dem Ausland ist natürlich eine ganze andere Prozedur als der normale Gebrauchtwagenkauf aus dem Inland. Man sollte darauf achten, dass die eigene Kosteneinschätzung möglichst akkurat ist.

Grundsätzlich muss man folgende Positionen in seiner Kosten-Rechnung beachten:

  • Fahrzeugpreis
  • Kosten für Gutachten
  • Mehrwertsteuer
  • NoVA
  • Einfuhrumsatzsteuer
  • Zoll
  • Kosten für Überstellungskennzeichen
  • Eintragung in die Genehmigungsdatenbank
  • §57a-Gutachten (bzw. Einzelgenehmigung)

Tipp: In Österreich fällt für Oldtimer, die vor 1992 zugelassen wurden, keine Normverbrauchsabgabe (NoVa) an, und man kann Fahrzeuge „einzelgenehmigen“ oder sie als historisches Kraftfahrzeug zulassen.

Wie der Import im Detail funktioniert haben wir bereits im letzten Artikel „NoVA, Steuer und Co. – So funktioniert der Auto Import nach Österreich“ erklärt. Der Artikel beschreibt den Prozess ausführlich und bietet selbst für Käufer, die beim Import-Händler kaufen eine gute Wissensgrundlage. Damit ist es viel einfacher zu verstehen, wie die Prozedur abläuft und wofür man eigentlich zahlt.

Letztendlich bleibt zu sagen, dass der Kauf eines Old- oder Youngtimers wie jeder Autokauf wohlüberlegt sein sollte. Grundsätzlich ist die Prozedur nicht sehr viel anders als beim normalen Neu- oder Gebrauchtwagenkauf – man sollte allerdings wissen, welche Schwachstellen das Wunschfahrzeug hat und ein gutes Fingerspitzengefühl mitbringen, damit man vom neuen (alten) Fahrzeug auch wirklich lange was hat.

Es lohnt sich, die Aufgaben an einen Import-Händler wie micardo abzugeben. Wir von micardo haben ein großes Netzwerk an Oldtimer-Sachverständigen, welche überwiegend in Deutschland, Italien, Niederlande oder Belgien ansässig sind. Je nach Fahrzeugtyp beauftragen wir unterschiedliche Gutachter, die sich speziell mit dem Fahrzeugtyp auskennen und entsprechend einen normalen Zustandsbericht oder ein komplettes Wertgutachten erstellen.

Die Zusammenarbeit bringt nicht nur in Sachen Hilfestellung Vorteile. Unser Netzwerk ist groß und wir finden auch Fahrzeuge, die nicht online gelistet sind.

Wir haben speziell für Old- und Youngtimerkäufer eine PDF-Checkliste als Download vorbereitet. Hier sind die wichtigsten Punkte nochmal in Kurzform zusammengefasst.

 

Wir bedanken uns für das interessante Interview mit Ingo Riedel von Passioncar. Wer Interesse an einem klassischem Benz hat, der sollte mal auf seiner Website vorbeischauen.

Grüße nach Deutschland!