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Gebrauchte Fahrzeuge kaufen. Die wohl schwierigste Kaufentscheidung, die man fällen kann. Beim Privatkauf in Österreich kann schon so viel schiefgehen, wie sieht es dann erst beim Import aus dem Ausland aus?

Motor, Getriebe, Karosserie, Lack, Bremsen, Räder, Reifen, Innenausstattung, Türen, Elektrik und Leitungen gilt es zu überprüfen. Bestenfalls kennt man sich richtig aus und kann alle technischen Funktionen selbst prüfen, erkennt Mängel auf den ersten Blick und kann gut verhandeln. Doch in der Realität sieht das anders aus. Ein Auto kauft man nicht alle Tage, dementsprechend fehlt die Erfahrung.

Ein Auto in Österreich zu kaufen ist eine Sache. Doch wie sieht es aus, wenn der Traumwagen im Ausland steht und man dort sogar noch reichlich Geld sparen kann? EU macht es möglich. Dank einheitlicher Regeln und Gesetze bieten die meisten Fahrzeughersteller die exakt gleichen Modelle zu verschiedenen Preisen in verschiedenen Ländern an. Nichtmal das Handbuch ist anders, denn es wird ja gleich in Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch mitgeliefert.

Damit du beim Auto-Import nicht auf die miesen Tricks, Mogelpackungen und Falschaussagen hereinfällst, haben wir für dich die 10 größten Fehler beim Auto Import zusammengestellt. Falls du noch nicht unseren Artikel zum Thema Auto Import Österreich gelesen hast, solltest du das auch tun. Er liefert das Grundwissen für jeden Autokauf außerhalb von Österreich.

1. Fehler: Fahrzeug „blind“ kaufen

Das Schlimmste, was man machen kann, ist sich im Internet ein Fahrzeug auszusuchen und es direkt zu kaufen.

Gerade im Automarkt ist eine Menge Geld zu verdienen und daher sind Händler und Privatverkäufer immer öfter dazu geneigt Fahrzeuge im Internet besser zu präsentieren, als sie eigentlich sind.

Wir empfehlen das Fahrzeug unbedingt vor Ort anzuschauen oder es von einem Experten überprüfen zu lassen und auf die wichtigsten Mängel zu achten. Darunter zum Beispiel:

  • Beschädigungen im Lack
  • Beulen und Kratzer
  • Ölverlust
  • Feuchtigkeit
  • ungewohnte Geräuschentwicklung
  • Beschädigungen an Rädern und Reifen
  • Beschädigungen an Fenstern

Ein vorheriges Gutachten oder ein Freund vom Fach kann hier vor bösen Überraschungen schützen und die Geldbörse schonen.

Diese Roststelle unter der Tür hätte ich auf einem Foto im Internet nie gesehen.

Unschöner Kratzer. Dieser hat Potenzial zur Roststelle zu werden.

Ein Blick in den Motorraum darf nicht fehlen. Dieser hier sieht sehr gepflegt aus.

Diesen Steinschlag hab ich erst für eine tote Fliege gehalten.

2. Fehler: Preise nicht vergleichen

Der Preis eines Fahrzeugs setzt sich immer aus dem Kaufpreis, dem Zustand und dem aktuellen Angebot zusammen. Manche Fahrzeuge verlieren stark an Wert, andere, speziell rare Oldtimer, gewinnen an Wert.

Bevor man einen Preis einfach hinnimmt, sollte man im Internet nach anderen Angeboten Ausschau halten und die Preise vergleichen. Dabei muss man stehts den Zustand und die Sonderausstattungen im Blick haben. Auch die Motorisierung ist ein wesentlicher Faktor für die Preisbestimmung, denn Fahrzeughersteller bieten ein Fahrzeugmodell meist mit verschiedenen Motoren an und bieten dazu dann noch Sonderausstattungen, die für alle Motor-Varianten buchbar sind.

Wir posten immer mal wieder Top-Deals auf unserer Facebook Seite, die einen guten Maßstab für eigene Vergleiche bieten. Folge uns auf Facebook, um keinen Top-Deal zu verpassen!

3. Fehler: Papiere nicht überprüfen

Die Fahrzeugpapiere sind sehr wichtig und sollten vollständig sein. Fehlende oder falsche Papiere müssen neu ausgestellt werden und das kostet. Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief, COC Papier, Kaufvertrag, saldierte Rechnung und ein technischer Untersuchungsbefund sind die Wichtigsten.

Doch Vorsicht bei Fahrzeugen aus dem Ausland. Hier sollte man auch die Sprache des Handbuchs prüfen. Viele Fahrzeughersteller liefern ein multilinguales Handbuch, aber keine Regel ohne Ausnahme. Dazu kommen die technischen Details wie z. B. der Bordcomputer. Lässt sich die Sprache hier leicht einstellen oder ist das Aufspielen einer neuen Software, noch schlimmer ein neuer Bordcomputer, fällig?

Weitere Fahrzeugpapiere, die möglicherweise mit dem Fahrzeug geliefert werden sollten:

  • Schlüssel und Schlüssel-Codekarten für das Fahrzeug
  • allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für Zubehör und Anbauteile
  • Verkaufsvollmacht, falls Verkäufer und Fahrzeughalter nicht identisch sind
  • Bilder und Gutachten bei Unfallschäden

Vorsicht auch bei Verkäufen „im Auftrag“. Hier verkauft ein Händler ein Fahrzeug im Auftrag eines Privatmannes. Im Prinzip wird das Fahrzeug als privat verkauft – und wenn nicht anders vereinbart hat man keine Gewährleistung.

4. Fehler: Keine Probefahrt machen

Hier ist ein guter Tipp: Bevor du dir ein Auto kaufst oder zur Besichtigung gehst, schau dir, falls möglich, das Fahrzeug als Neuwagen bei einem Autohaus vor Ort an. Vereinbare eine Probefahrt und lerne das Fahrzeug kennen. So bekommst du ein Gefühl für das Fahrzeug und kannst besser einschätzen, ob bei deinem Gebrauchtwagen möglicherweise Mängel vorhanden sind.

Das Neufahrzeug, das du beim Händler Probe fährst, weist höchstwahrscheinlich keine Mängel auf und ist daher ideal, um herauszufinden, ob du das Fahrzeug magst und wie es funktioniert.

Wenn du dann vor Ort dein Wunschfahrzeug anschaust, mach unbedingt eine Probefahrt, denn manche Mängel treten erst im warmen bzw. kalten Zustand oder während der Fahrt auf.

5. Fehler: Typische Schwächen des Fahrzeugs nicht kennen

Jedes Fahrzeug hat typische Fehler und Schwächen. Informiere dich vor dem Kauf im Internet darüber, was an deinem Wunschfahrzeug häufig kaputt geht oder womit andere Besitzer Probleme hatten. Jede Motorisierung hat andere Anbauteile und somit ihre eigenen Probleme!

Ein gutes Beispiel ist die Lackablösung der Ducato / Jumper / Boxer-Transporter von 2002. Alle Fahrzeuge werden im selben Werk in Italien hergestellt und dann unter verschiedenen Namen verkauft. Die Fahrzeuge sind also baugleich. Speziell bei blauer Lackierung blätterte der Lack nach ca. 4 Jahren ab. Ein finanzielles Loch, das man keinem Fahrzeugbesitzer wünscht.

Der „Bayrische Rundfunk“ hat darüber einen Beitrag gedreht:

Auf Facebook in speziellen Gruppen zum Fahrzeug oder in speziellen Internetforen gibt es genug Besitzer, die man fragen kann, bevor man einen Kaufvertrag unterschreibt.

6. Fehler: Serviceheft/Wartungen nicht überprüfen

Der Zustand eines Fahrzeugs wird stark durch die regelmäßige Wartung beeinflusst. Öl, Filter, Leitungen, Verschleißteile wie die Bremsbeläge, Bremsscheiben oder der Zahnriemen sollten regelmäßig überprüft und gewechselt werden.

Die durchgeführten Wartungen findet man üblicherweise im Serviceheft des Fahrzeugs. Eine Rechnung der Werkstatt, die die Arbeit durchgeführt hat, sollte als Nachweis dienen.

Worauf man besonders achten sollte:

Zahnriemen:
Viele Fahrzeuge nutzen anstatt einer wartungsfreien Steuerkette einen Zahnriemen der ca. alle 5 Jahre oder alle 100.000 km gewechselt werden muss. Wenn der Zahnriemen reißt, ist meist ein kapitaler Motorschaden die Folge.

Regelmäßiger Ölwechsel:
Ältere Fahrzeuge benötigen häufigere Ölwechsel als Neue. Den genauen Intervall sowie welche Art von Öl zu verwenden ist, legt der Hersteller fest. Je nach Modell ist also der Ölwechsel mind. 1x im Jahr oder alle 15.000 durchzuführen; bei Longlife alle 2 Jahre oder 30.000 km (was zuerst eintritt).

Filter:
Luftfilter, Kraftstofffilter und natürlich der Ölfilter sollten regelmäßig gewechselt werden. Auch hier legt der Hersteller das Intervall fest.

Vorbildlich: Der Verkäufer hatte hier den Servicebericht direkt zur Hand.

7. Fehler: Extras/Ausstattung nicht gesondert überprüfen

Die Sonderausstattungen und die Motorisierung sind das, was die verschiedenen Fahrzeuge einer Fahrzeugreihe besonders machen. Doch oft sind extra Ausstattungen im Kaufvertrag nicht aufgeführt bzw. werden online falsch deklariert.

Automarktplätze wie Mobile.de arbeiten teilweise mit automatisierten Einstellungsverfahren, die nicht immer korrekt sind. Hier im Bild wird ein Open Mokka mit Automatik-Getriebe angeboten. Wie auf dem Bild zu sehen ist, handelt es sich hier aber um einen Handschalter.

Man sollte immer die genaue Ausstattung des Fahrzeugs prüfen, bestenfalls noch telefonisch, bevor man einen Besichtigungstermin ausmacht.

Audi A3 – Sonderausstattung S-line

8. Fehler: Fahrzeuginhaber und Fahrgestellnummer nicht prüfen

Autodiebstahl ist ein großes Geschäft. Wenn ein Angebot zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist es das meist auch. Man kann ganz leicht prüfen, ob das Fahrzeug gestohlen wurde, indem man bei der örtlichen Polizei die Fahrgestellnummer durchgibt. Die Beamten gleichen diese dann mit ihrer Datenbank ab und können so recht schnell via Telefon Auskunft geben.

Die Fahrgestellnummer besteht aus 17 Zeichen und endet immer mit 6 Zahlen. Man findet sie in den Fahrzeugpapieren sowie je nach Hersteller auf dem Armaturenbrett, im Motorraum, unter der Motorhaube oder im Türrahmen. Man sollte natürlich die Nummer auf den Papieren mit der Nummer am Fahrzeug selbst abgleichen.

Wer dazu noch einen Blick in die Fahrzeugpapiere wirft und sich die Identität des Verkäufer bestätigen lässt, ist auf der sicheren Seite.

9. Fehler: Sich auf die Aussagen des Verkäufers verlassen

Nur wer eine Information schwarz auf weiß und unterschrieben hat, der ist auf der sicheren Seite. Bei allen anderen Dingen muss man sich selbst überzeugen. Viele machen den Fehler und verlassen sich auf die Aussagen des Verkäufers. Egal ob privat oder gewerblich – gepfuscht wird überall.

Mit einem Lackprüfgerät (auf eBay für unter 100 € zu haben) kann selbst der Laie die Lackdichte überprüfen und eine Mogelpackung erkennen. Experten sagen, alles deutlich über 110-120 µm (Mikrometer) ist nachlackiert. In diesem Beispiel hat uns der Händler ein unfallfreies Fahrzeug zugesichert. Unsere Überprüfung zeigt eine Lackdichte von über 1 mm. Das ist natürlich absoluter Pfusch!

Hier wurde auf jeden Fall nachlackiert – wahrscheinlich wegen einem Unfall.

Ansonsten hilft hier nur Erfahrung. Am besten man geht mit einem KFZ-Profi zur Besichtigung und Probefahrt. Noch besser ist ein Gutachten einer KFZ-Prüfstelle.

10. Fehler: Zoll & Steuer vergessen

Beim Auto Import nach Österreich ist nicht nur der Fahrzeugpreis fällig. Bei der Einfuhr nach Österreich kann noch 10 % Zoll (bei Import aus Drittland), 20 % Einfuhrumsatzsteuer (bei Neuwagen) sowie die Normverbrauchsabgabe (NoVA) hinzu kommen.

Klassischer Fehler bei Neuwagen (also weniger als 6.000 km Laufleistung und jünger als 6 Monate): Der Käufer zahlt an den Händler die MwSt. und vergisst:

„Wenn man ein Neufahrzeug von einem EU-Händler kauft, dann fällt keine Mehrwertsteuer an. Stattdessen zahlt man in Österreich die Erwerbssteuer (20 %). Anders ist es bei Gebrauchtwagen, hier zahlt man die Mehrwertsteuer direkt an den ausländischen Händler.“ – NoVA, Steuer und Co. – So funktioniert der Auto Import nach Österreich

Die Folge ist, dass der Käufer dann in Österreich noch mal die MwSt. zahlen muss. Wenn es mit dem Händler da keine Regelung gibt, bleibt man selbst auf den Kosten sitzen und das ist natürlich sehr ärgerlich.

Das waren sie. Die in unseren Augen, 10 größten Fehler beim Auto-Import. Wenn du unsere Tipps beachtest und dazu noch den Grundlagenartikel „NoVA, Steuer und Co. – So funktioniert der Auto Import nach Österreich“ gelesen hast, dann bist du viel weiter als alle anderen.

Im Zweifel kann man natürlich gleich Micardo beauftragen und von unserem Rundum-Sorglos-Paket profitieren. Der Auto Import ist und bleibt ein Expertenthema, das man nicht unterschätzen sollte.

Erfahre mehr über unser Rundum-Sorglos-Paket!